Lieber Weihnachtsmann
Lieber Weihnachtsmann,
ich war meistens brav dieses Jahr,
drum bitte höre dir meinen Weihnachtswunsch an:
Wenn es denn soweit ist und ich sterbe,
so möchte ich dass mein letzter Tag auf Erden
an einem Weihnachtstag ist.
Im Ofen schmort dann ein Braten,
Hirsch oder Lachs oder Lamm,
und am Weihnachtsbaum glühen die Lichter,
wenn das Leben mich morgen verlässt.
Wir sitzen dann alle zusammen,
im grünen Ofen kracht ein Scheit,
wir sind wie immer hübsch gekleidet,
und draußen vor dem Wohnzimmerfenster
wird die weiße Nacht zur Ewigkeit.
Doch was ich am letzten Tage so möchte,
das ist keines davon, sondern das:
Wenn wir zusammen sind,
kein Fernseher läuft,
und nichts als wir zwischen uns,
dann öffnen wir die Geschenke,
einer nacheinander und die anderen sehen nur zu.
Ich gehe dann freiwillig immer zuletzt,
beobachte wie mein Vater, meine Mutter, mein Bruder,
ihre Geschenke öffnen und sich freuen.
Wie ihre Gesichter leuchten,
wie ich einen Tag nicht suchen muss,
weil dort nur Freude zu finden ist.
Das Wichtigste jedoch kommt dann,
wenn ich selbst an der Reihe bin.
Alle drehen sich zu mir und sehen mich an,
ich muss nichts tun oder machen,
muss nichts erreichen und schaffen,
muss nur meine Geschenke öffnen
und mich freuen.
Der wohlwollende Blick meiner Eltern
liegt auf mir,
auf nichts, auf gar nichts, nur mir,
und nichts muss ich tun als mich freuen und lachen,
nichts muss ich sein außer ich.
Einmal, nur einmal pro Jahr,
doch reichen tut es mir nicht.
Heißt das, ich war doch nicht brav, nein?
Wenn ich mehr möcht' als ich hab?
Lieber Weihnachtsmann,
bitte so erfüll' mir doch diesen Wunsche,
auch wenn ich ihn etwas ändern muss:
Ich möchte nicht erst warten bis ich sterbe,
bitte lass jeden Tag wie Weihnachten sein.
19-11-2025
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