Ein Moment wie der Beginn einer Geschichte

Es ist die Nacht des 05. Juli 1958. Die Lichter des Interkontinentalexpress durchbrechen die Dunkelheit.
Denken Sie sich nun, wie einer seiner Passagiere durch den plötzlichen Einfall seltsamer Gedanken in das friedliche Gemüt seiner schlafenden Selle aus dem Traum gerissen wird und unruhig erwacht.
Unfähig dem Gedachten im eigenen Abteil zu entkommen, verlässt er dieses und beginnt durch die von gedimmtem Licht erleuchteten Flure zu wandern. Doch in welches Abteil er auch blickt, ihm begegnen nur schlafende Gesichter, als sei die ganze Welt des Zuges in einen ewigen Schlummer gefallen.

Diese Welt, aus der die Zeit entflohen zu sein scheint, schreitet jedoch im eben selben Augenblick mit der Geschwindigkeit einer Dampflok dahin.
In einem solchen Moment aus stehender und eilender Zeit geschieht nun etwas Sonderbares.

Der so unliebsam erwachte Passagier kommt vor einem leeren Abteil zum stehen und nur das stetige Rattern des Zuges verkündet, dass außerhalb des Zuges noch immer eine Wirklichkeit existiert.

Der Passagier blinzelt einige Male, reibt sich den Schlaf aus den Augen, doch der Anblick verschwindet nicht.

So glaubt er noch immer zu träumen, als er vor den Fenstern des Abteils statt der undurchdringbaren Schwärze der Nacht auf dem Land nun die raue See peitschen sieht, die ihre Gischt an das Glas des Fensters sprüht. Er schüttelt erneut den Kopf und starrt auf den prachtvollen Schoner im Todeskampf mit mannshohen Wellen, die ihn zu verschlingen drohen, die an seinen Masten reißen um ihn ihren geifernden Tälern aus Gischt und Schaumkronen einzuverleiben.
Er wendet sich ab von einem Schauspiel, dass er für Einbildung hält, in Wahrheit doch aber ebenso wirklich ist, wie die Welt eines durch die Nacht dahineilenden Zuges.